Allgemeine Information über die Registrierung von Krebserkrankungen

Obwohl das Krebsregistrierungsgesetz (KRG) erst am 01.01.2020 in Kraft getreten ist, haben Krebsregister in der Schweiz schon eine über 50 jährige Geschichte. 1969 wurde in Basel das erste Krebsregister gegründet.

  1. Was ist Krebs?

    Krebs ist ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheiten mit gemeinsamen Merkmalen: Ursprünglich normale Zellen des menschlichen Körpers vermehren sich unkontrolliert, wachsen in gesundes Gewebe ein und schädigen es. Sie werden zu Krebszellen. Krebszellen können sich von ihrem Entstehungsort lösen und an anderen Stellen im Körper Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen bilden. 

    Krebserkrankungen sind auf Veränderungen im Erbgut der Zellen zurückzuführen. Es sind einige Faktoren bekannt, die solche Veränderungen begünstigen und bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen können, wie z.B.:

    • der natürliche Alterungsprozess,
    • der Lebensstil (z.B. Rauchen, Alkoholkonsum etc.),
    • äussere Einflüsse (z.B. Viren, Schadstoffe, Tabakrauch, UV-Strahlung),
    • erbliche bzw. genetische Faktoren.

    Auf einige dieser Risikofaktoren kann Einfluss genommen werden, auf andere hingegen nicht. Man schätzt, dass etwa ein Drittel der Krebserkrankungen durch Vermeiden von Risikofaktoren wie Tabak oder Alkohol verhindert werden könnte. Die übrigen Erkrankungen sind auf nicht beeinflussbare oder unbekannte Faktoren zurückzuführen. Fast 90% der Krebserkrankungen treten bei Menschen ab 50 Jahren auf. In circa 5–10% der Fälle geht man heute davon aus, dass die Krebsentstehung erblich bedingt ist. In den betroffenen Familien tritt der Krebs in jeder Generation und häufig schon in jungen Jahren auf.

    Durch die Krebsregistrierung lässt sich Wissen über die Entstehung und über den Krankheitsverlauf von Krebs gewinnen. Die Datengrundlage aus Krebsregistern wird zudem genutzt, um die Entwicklung von Krebserkrankungen auf Bevölkerungsebene zu beobachten.

  2. Krebs in der Schweiz

    Die Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung hat sich in den letzten 100 Jahren beinahe verdoppelt. Durch die höhere Lebenserwartung haben nicht-übertragbare Krankheiten, die vor allem im höheren Lebensalter auftreten (z.B. Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes) in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. 

    Aktuell werden in der Schweiz pro Jahr mehr als 40 000 neue Krebsfälle diagnostiziert; fast 17 000 Frauen und Männer sterben jährlich an Krebs. Damit ist Krebs in der Schweiz die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für rund ein Viertel aller Todesfälle verantwortlich. Über die Hälfte aller Krebsneuerkrankungen sind auf vier Krebsarten verteilt.  Bei Männern ist Prostata-, Lungen oder Darmkrebs die häufigste Krebsdiagnose. Bei Frauen wird am häufigsten  Brust,- Lungen- oder Dickdarmkrebs diagnostiziert. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird sowohl die Anzahl an Neuerkrankungen als auch die Anzahl an Todesfällen weiter zunehmen. Das Bundesamt für Statistik (BFS) schätzt, dass die durch Krebs bedingten Todesfälle in den nächsten 20 Jahren um rund ein Drittel zunehmen werden. Zeitgleich wird auch die Anzahl an «Erkrankten», d.h. die Anzahl der mit einer Krebserkrankung lebenden Patientinnen und Patienten deutlich steigen. Bereits heute umfasst diese  Gruppe rund 370 000 Menschen in der Schweiz. 

    Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind selten. In der Schweiz erkranken jährlich etwa 400 Kinder und Jugendliche an Krebs. Kinder erkranken an anderen Krebsarten als Erwachsene. Am häufigsten sind bei Kindern Leukämien, Hinrtumore, Lymphome und eine Reihe von seltenen Tumoren aus unreifem embryonalem Gewebe, welche bei Erwachsenen nicht vorkommen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Kindern mit einer Krebserkrankung deutlich verbessert. Viele Kinder können geheilt werden. Trotzdem haben diese ehemalige Patientinnen und Patienten ein hohes Risiko an Spätfolgen zu erkranken. Spätfolgen sind Jahre nach der Krebserkrankung auftretende Gesundheitsprobleme, z.B. Herz-Kreisauferkrankungen, Unfruchtbarkeit, Hörschädigungen, weitere Tumorerkrankungen oder psychische Probleme. Da diese jungen Patientinnen und Patienten noch viele Lebensjahre vor sich haben, ist es wichtig, dass ihre Gesundheit regelmässig und langfristig kontrolliert werden kann.

  3. Kurze Geschichte der Krebsregistrierung in der Schweiz

    Krebsregistrierung bei Erwachsenen

    Die Registrierung von an Krebs erkrankten Erwachsenen war und ist in der Schweiz kantonal organisiert und erfolgt in den kantonalen bzw. regionalen Krebsregistern. Die Krebsregister erfassen jedes Jahr alle neuen Krebsfälle, die in der jeweiligen Kantonsbevölkerung diagnostiziert wurden. Jedes Register hat eine eigene institutionelle Struktur und arbeitet eng mit Krankenhäusern, pathologischen Labors und anderen Stellen, die Informationen über Krebskranke liefern können, zusammen. Weiter wurden die Einwohnerregister der Gemeinden hinzugezogen, um regelmässig zu überprüfen, ob die Patientinnen und Patienten noch leben oder verstorben sind.

    Das erste kantonale Krebsregister der Schweiz wurde 1969 in Basel gegründet1. Danach kamen weitere Register in den Kantonen Genf (1970), Waadt  und Neuenburg (1974), Zürich (1980), St. Gallen-Appenzell (1980), Wallis (1989), Graubünden (1989 und Glarus (1992), und dem Tessin (1996) hinzu. Nach der Jahrtausendwende wurde im Kanton Jura (2005), den Kantonen der Zentralschweiz (2010/2011), Zug (2011) und den Kantonen Thurgau (2012), Aargau (2013) Bern (2014) und Solothurn (2019) mit der Krebsregistrierung begonnen. In Schwyz und Schaffhausen wurde zum 1. Januar 2020 mit Inkrafttreten des Krebsregistrierungsgesetzes (KRG) mit der Krebsregistrierung begonnen.

    1 Das Basler Register wurde 1969 gegründet, elektronische Daten stehen jedoch erst ab 1981 zur Verfügung.

    Krebsregistrierung bei Kindern und Jugendlichen

    Das Schweizer Kinderkrebsregister (SKKR) erfasste seit 1976 schweizweit Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Es wurde von den Schweizer Kinderonkologen, die in der  Schweizerischen Pädiatrischen Onkologiegruppe (SPOG) vereint sind, gegründet. Das am 1. Januar 2020 in Kraft getretene Krebsregistrierungsgesetz (KRG) schreibt die Führung eines nationalen Kinderkrebsregisters vor. Das SKKR hat sich als Bietergemeinschaft bestehend aus der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologie Gruppe (SPOG) und der Universität Bern auf diese Bundesaufgabe beworben, das Kinderkrebsregister nach KRG zu führen. Im Sommer 2018 übertrug der Bund der Bietergemeinschaft (SPOG/Universität Bern) diese Aufgabe. Somit wurde der Registerteil des SKKR ab 2020 zum Kinderkrebsregister (KiKR) des Bundes, das schweizweit Krebs bei Kindern und Jugendlichen bis zu 19 Jahre erfasst. Das Kinderkrebsregister befindet sich am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Eine ausführliche Beschreibung der der Geschichte der Krebsregistrierung von Kindern und Jugendlichen findet sich hier.

    Das Nationale Institut für Krebsepidemiologie und –registrierung (NICER)

    Im Jahr 1978 wurde die Vereinigung Schweizerischer Krebsregister (VSKR) mit dem Ziel gegründet, die Datenerfassung zu vereinheitlichen, eine interkantonale Datenbank zu schaffen und die epidemiologische Krebsforschung auf nationaler Ebene zu fördern. Im Jahr 2007 entstand aus dieser Vereinigung das an der Universität Zürich angesiedelte Nationale Institut für Krebsepidemiologie und -registrierung (NICER) als unabhängige Stiftung. Seit der Gründung koordiniert das Nationale Institut für Krebsepidemiologie und -registrierung (NICER) die Krebsregistrierung in der Schweiz, sammelt und aggregiert die Daten der kantonalen und regionalen Krebsregister, harmonisiert deren Arbeit und sichert die Datenqualität. Ein weiteres Ziel der Stiftung ist Förderung der epidemiologischen Krebsforschung in der Schweiz. Mit dem nationalen Krebsregistrierungsgesetz ging die Gründung einer Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) einher. Durch Verfügung des Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI) wurde das Nationale Institut für Krebsepidemiologie und -registrierung (NICER) mit der Wahrnehmung der Aufgaben der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) mandatiert.

    Änderungen durch das Krebsregistrierungsgesetz

    Im März 2016 hat das Parlament das Bundesgesetz über die Registrierung von Krebserkrankungen (Krebsregistrierungsgesetz, KRG; SR 818.33) beschlossen. Im April 2018 hat der Bundesrat die dazugehörige Verordnung (KRV; SR818.331) verabschiedet. Das Gesetz trat am 1. Januar 2020 in Kraft.

    Das Krebsregistrierungsgesetz (KRG; SR 818.33) regelt das Erfassen aussagekräftiger, verlässlicher Daten zu Krebserkrankungen in der Schweiz. Es führt einige Neuerungen ein wie Patientenschutz, Meldepflicht, Versichertennummer (AHV-Nummer) als Personenidentifikator und Standardisierung des Datensatzes, der Registrierung und Datenübermittlung. Ärztinnen und Ärzte, Spitäler sowie private und öffentliche Institutionen des Gesundheitswesens, die eine Krebserkrankung diagnostizieren oder behandeln, müssen seit dem 1. Januar 2020 definierte Angaben zu spezifizierten Krebsarten an das zuständige Krebsregister melden. Seit 1. Januar 2020  ist ausserdem jeder Kanton verpflichtet, ein Krebsregister zu führen oder sich einem bestehenden Register anzuschliessen.

    Das Potenzial des Krebsregistrierungsgesetzes liegt einerseits in der Verbesserung der Datengrundlage für die Beobachtung der Entwicklung von Krebserkrankungen und anderen stark verbreiteten oder bösartigen nicht übertragbaren Krankheiten. Andererseits dienen diese Daten der Erarbeitung, der Umsetzung und der Überprüfung von Präventions- und Früherkennungsprogrammen, der Evaluation der Versorgungs-, Diagnose- und Behandlungsqualität sowie der Unterstützung der Versorgungsplanung und der Forschung.

  4. Das Krebsregistrierungsgesetz (KRG) und die Verordnung

    Das Krebsregistrierungsgesetz (KRG; SR 818.33) regelt das Erfassen aussagekräftiger und verlässlicher Daten zu Krebserkrankungen in der Schweiz. Das Gesetz und dessen Umsetzung ist Teil der Strategie Gesundheit 2020 des Bundesrats.

    Das Parlament beschloss im März 2016 das Krebsregistrierungsgesetz (KRG; SR 818.33). Am 11. April 2018 verabschiedete der Bundesrat die dazugehörige Verordnung (KRV; SR818.331). Gesetz und Verordnung traten am 1. Januar 2020 in Kraft. Das Krebsregistrierungsgesetz (KRG) führt einige Neuerungen , wie Patientenschutz, Meldepflicht, AHV-Nummer als Personenidentifikator und Standardisierung des Datensatzes, der Registrierung und Datenübermittlung ein. 

  5. Sinn und Zweck der Nationalen Krebsregistrierung und des Krebsregistrierungsgesetzes (KRG)

    Durch die ab Januar 2020 gesetzlich geregelte Krebsregistrierung wurde die Datenerhebung von Krebserkrankungen standardisiert. Dies verbessert die Datenqualität zu Krebserkrankungen in der Schweiz. Das Erfassen von aussagekräftigen und verlässlichen Daten ist die Voraussetzung, um schweizweit die Entwicklung von Krebserkrankungen über die Jahre hinweg zu beobachten. Ziel ist, Krebserkrankungen besser zu verstehen und noch besser behandeln zu können. Mit den erfassten Angaben kann z.B. untersucht werden, ob Krebserkrankungen in der Schweiz über die Zeit hinweg zu- oder abnehmen, oder ob es regionale Häufungen gibt. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen bei, Früherkennungs-, oder Präventionsmassnahmen zu entwickeln und eine optimale medizinische Versorgung und Nachsorge zu gewährleisten und sollen zudem die Forschung unterstützen. Unter medizinische Versorgung versteht man medizinische Leistungen, welche die Gesundheit einer Person sichern, z.B. dass optimal behandelt wird. Nachsorge bedeutet, dass die Patientin oder der Patient auch nach der Krebserkrankung noch ärztlich betreut wird, z.B. durch sogenannte Nachsorgeuntersuchungen.

  6. Die Aufgaben der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) und des Kinderkrebsregisters (KiKR)

    Die Nationale Krebsregistrierungsstelle (NKRS), ist diejenige nationale Stelle, in der Daten zu allen in der Schweiz auftretenden Krebserkrankungen aus den kantonalen Krebsregistern zusammenlaufen. Sie überprüft die Qualität der Daten und meldet diese den Krebsregistern zurück. Die Nationale Krebsregistrierungsstelle und das Kinderkrebsregister sind für die nationale Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen verantwortlich. Die Nationale Krebsregistrierungsstelle übermittelt ebenso wie das Kinderkrebsregister die Krebsdaten, die für die Nationale Krebsstatistik nötig sind, an das Bundesamt für Statistik (BFS). Durch Verfügung des Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI) wurde das Nationale Institut für Krebsepidemiologie und -registrierung (NICER) mit der Wahrnehmung der Aufgaben der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) mandatiert.

    Das Kinderkrebsregister (KiKR) ist die nationale Stelle für alle Fragen und Auswertungen zum Thema Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Es erfasst schweizweit Angaben zu allen krebskranken Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre. Registriert werden Neuerkrankungen und Daten zum gesamten Krankheits- und Behandlungsverlauf. Das Kinderkrebsregister übermittelt ein Mal pro Jahr einen Teil der erfassten Daten an die kantonalen Krebsregister. Gemeinsam mit der Nationalen Krebsregistrierungsstelle ist das Kinderkrebsregister für die nationale Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen verantwortlich. Durch Verfügung des Eidgenössischen Departements des Inneren (EDI) wurde die Bietergemeinschaft SPOG/Universität Bern mit dieser Aufgabe mandatiert.

    Die kantonalen Krebsregister erfassen Krebserkrankungen und deren Behandlungen bei Erwachsenen (ab 20 Jahren), die im Kanton des jeweiligen Krebsregisters wohnen. Die kantonalen Krebsregister übermitteln jährlich der Nationalen Krebsregistrierungsstelle die in der Schweiz registrierten Krebserkrankungen.

  7. Umfang der Datensammlung im Rahmen der Krebsregistrierung

    Von jeder Krebserkrankung werden einheitliche Basisdaten registriert. Dazu gehören die Art und das Stadium der Krebserkrankung, Angaben zur Erstbehandlung sowie zum allfälligen Auftreten von Rezidiven und Metastasen. Dies ermöglicht einerseits die flächendeckende, vollzählige und vollständige Erfassung aller Krebsneuerkrankungen sowie die Beobachtung des Krankheitsverlaufs.

    Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebserkrankungen machen insgesamt fast die Hälfte aller Krebsneuerkrankungen in der Schweiz aus. Aus diesem Grund werden für diese drei Krebsarten Zusatzdaten zur Veranlagung sowie Vor- und Begleitkrankheiten erfasst. Bei Kindern und Jugendlichen werden für alle Krebserkrankungen neben den Basisdaten noch weitere Angaben erfasst, z.B. zur Veranlagung, zu Vor- und Begleiterkrankungen, sowie detaillierte Angaben zum gesamten Verlauf der Krankheit, deren Behandlung und zur Nachsorge. 

    Zusätzlich werden im Krebsregister folgende Daten zur Person erfasst: Namen, Vornamen, Versichertennummer (AHV-Nummer), Wohnadresse und Gemeindenummer, Geburtsdatum und Geburtsort, Geschlecht, Zivilstand, Staatsangehörigkeit. Die personenbezogenen Informationen sind für das korrekte Registrieren in den Krebsregistern notwendig.

    Von den meldepflichtigen Personen oder Institutionen werden vom Krebsregister die Kontaktdaten registriert. Meldepflichtig sind Ärztinnen und Ärzte, Spitäler, Pathologieinstitute und medizinische Laboratorien, die eine Krebserkrankung diagnostizieren und/oder behandeln. Damit sind Rückfragen, aber auch einrichtungsspezifische Analysen möglich. Einrichtungsspezifische Analysen dürfen nur dann bearbeitet und bekanntgegeben werden, wenn die Institutionen/Personen in die Bearbeitung und Bekanntgabe eingewilligt haben.

  8. Die Verarbeitung der Krebsregisterdaten

    Das Erfassen der Daten erfolgt in dem jeweils zuständigen kantonalen bzw. regionalen Krebsregister (Krebserkrankungen bei Erwachsenen ab 20 Jahren) bzw. dem Kinderkrebsregister (Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahre). Die von der meldenden Ärztin oder dem meldenden Arzt an das zuständige Krebsregister übermittelten Daten werden nach Ablauf der dreimonatigen Karenzfrist vom Krebsregister registriert (siehe auch: Die Rechte der Patientinnen und Patienten in der Krebsregistrierung). Um Sicherzustellen, dass die Patientin bzw. der Patient dem richtigen Kanton zugeordnet wird, erfolgt ein Abgleich der Adresse mit Hilfe der kantonalen und kommunalen Einwohnerregister (Verifizierung des Erstwohnsitzes). Auch kann das zuständige kantonale Krebsregister bei der meldenden Ärztin oder bei dem meldenden Arzt fehlende Informationen anfragen. Mit Hilfe der Todesursachenstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) und den medizinischen Statistiken der Spitäler wird überprüft, ob Krebsfälle nicht gemeldet wurden, damit diese nachträglich erfasst werden können.

    Der Lebensstatus der registrierten Krebspatientinnen und –patienten wird durch die sogenannte Zentrale Ausgleichsstelle (ZAS) des Bundes überprüft. Die kantonalen Krebsregister melden jährlich die registrierten Krebserkrankungen der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS). Vor der Weiterleitung der Daten an die Nationale Krebsregistrierungsstelle werden die Daten anonymisiert (keine Person mehr zuordenbar) da sie für die Auswertungen nicht benötigt werden.

  9. Die Rechte der Patientinnen und Patienten in der Krebsregistrierung

    Alle Patientinnen und Patienten (beziehungsweise die zur Vertretung berechtigte Person) müssen mündlich und schriftlich über ihre Rechte, die Massnahmen zum Schutz ihrer Personendaten sowie über Sinn und Zweck der Krebsregistrierung informiert werden. Dabei erhält die Patientin oder der Patient eine Informationsbroschüre und auch mündliche Informationen.

    Alle Patientinnen und Patienten (bzw. die zur Vertretung berechtigte Person) haben das Recht vom zuständigen Krebsregister Auskunft zu erhalten, ob und falls ja, welche Angaben über sie erfasst sind. Dazu kann ein Gesuch beim zuständigen Krebsregister eingereicht werden (Auskunftsrecht). 

    Des Weiteren haben alle Patientinnen und Patienten (bzw. die zur Vertretung berechtigte Person) das Recht der Registrierung ihrer Daten zu widersprechen (Widerspruchsrecht). Um den Patientinnen und Patienten (bzw. der zur Vertretung berechtigten Person) eine ausreichende Bedenkzeit für die Entscheidung für oder gegen eine Registrierung ihrer Daten zu ermöglichen, wurde gesetzlich eine Karenzfrist definiert. Die Karenzfrist beträgt drei Monate und beginnt an dem Tag, an dem die Patientin oder der Patient (bzw. der zur Vertretung berechtigten Person) über die Krebsregistrierung informiert wurde. Innerhalb dieser Zeit darf das zuständige Krebsregister keine gemeldeten Daten registrieren. Falls eine Patientin oder ein Patient Widerspruch bei einem Krebsregister eingelegt hat, werden die Daten der betreffenden Person entweder gar nicht erst registriert oder, falls der Widerspruch nach der Karenzfrist eingegangen ist, zu statistischen Zwecken anonymisiert. Anonymisierung bedeutet, dass man die Angaben keiner Person mehr zuordnen kann. Die Geltungsdauer eines Widerspruchs ist unbegrenzt und gilt auch über den Tod hinaus falls der Widerspruch nicht durch die Patientin oder den Patienten zu einem späteren Zeitpunkt zurückgezogen wurde. 

    Patientenrechte in der Krebsregistrierung – Bundesamt für Gesundheit (BAG)

  10. Datenschutz

    Der Datenschutz richtet sich nach den in der Schweiz geltenden Normen und Gesetzen. Die gesammelten Daten werden streng vertraulich behandelt. Die Regeln für die Speicherung und Verarbeitung der Daten sind im Krebsregistrierungsgesetz und im Datenschutzgesetz festgehalten. Dort ist zum Beispiel festgelegt wie die Informationen gespeichert werden, wer die Informationen benutzen darf und wann die Informationen gelöscht werden. Ausserdem unterliegen die Mitarbeitenden der Krebsregister der Schweigepflicht. Nur sie dürfen Ihre personenbezogenen Informationen (z.B. Namen, Vornamen, Wohnadresse) bearbeiten und registrieren. Krankenkassen, Versicherungen oder Arbeitgeber haben z.B. keinen Zugang zu diesen Informationen.

  11. Veröffentlichung der Krebsregisterdaten – Die Nationale Krebsstatistik und die Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen

    Nationale Krebsstatistik

    Die Nationale Krebsstatistik besteht aus dem Krebsmonitoring (jährlich online verfügbar) und dem Krebsbericht (Publikation im 5-Jahres-Turnus in gedruckter Form). Im Kontext des Krebsregistrierungsgesetzes wird unter Monitoring verstanden zu beobachten ohne zu beurteilen. Beim Krebsmonitoring handelt es sich dementsprechend um eine routinemässige, standardisierte Beobachtung von Daten zu Krebserkrankungen in der Schweiz. 

    Der Nationale Krebsbericht dient dazu, das Krebsgeschehen näher zu erläutern und geht damit inhaltlich über das jährliche Monitoring hinaus. Der Nationale Krebsbericht soll es der Wissenschaft, klinischen Praxis und der Politik/dem Staat, sowie der interessierten Öffentlichkeit erlauben, das Vorkommen und den Verlauf der Krebserkrankungen zeitlich und räumlich zu betrachten. Weiterhin bietet der Bericht zukünftig die Möglichkeit diese Beobachtungen für verschiedene Patientengruppen im Kontext der Diagnose und der gewählten Behandlungsangebote für die Versorgungsplanung zu nutzen.

    Die Verantwortung für die Umsetzung der Nationalen Statistik liegt federführend beim Bundesamt für Statistik (BFS), in Zusammenarbeit mit der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) und dem Kinderkrebsregister (KiKR).

    Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen

    Die Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen wird zukünftig eine Ergänzung zur Nationalen Krebsstatistik darstellen. Im Kontext des KRG liefert die Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen bewertende Betrachtungen und spricht allfällige Empfehlungen aus.

    Die Gesundheitsberichterstattung für Krebserkrankungen beantwortet jeweils aktuelle gesundheitspolitische Fragen zum Krebsgeschehen. Adressaten sind neben politischen Entscheidungsträgern auf verschiedenen Ebenen auch diverse Akteure aus der Gesundheitsversorgung (klinische Praxis, Fachgesellschafen, Forschende, etc.).

    Differenzierte Analysen und Beschreibungen der gesundheitlichen Situation und der Versorgung bestimmter Bevölkerungs- sowie Patientengruppen liefern wichtige Grundlagen für Empfehlungen zuhanden von Entscheidungsträgern und den obengenannten Akteuren. Dabei werden aktuelle wissenschaftliche Fragen und Erkenntnisse bei der Interpretation der mehrfaktoriellen Betrachtungen des Krebsgeschehens berücksichtigt.

    Die Verantwortung für die Umsetzung der Gesundheitsberichterstattung liegt bei der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) und dem Kinderkrebsregister (KiKR).

  12. Links zu den kantonalen/regionalen Krebsregistern und dem Kinderkrebsregister

    Die Kontakinformationen und Links zu den Internetseiten der kantonalen/regionalen Krebsregister und dem Kinderkrebsregister finden Sie hier.

  13. Die Patienteninformation steht in einer langen und in einer kurzen, vereinfachten Sprachversion als PDF und Link zur Verfügung

    Informationsseite für Patientinnen und Patienten (web link)

    Patienteninformation für Erwachsene, ausführliche Version (PDF)

    Patienteninformation für Kinder und Jugendliche, ausführliche Version (web link)

    Patienteninformation für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, kurze Version (PDF)

    Die Information für Patientinnen und Patienten steht auch in Italienisch, Französisch, Rätroromanisch, Englisch und vielen weiteren Sprachen zur Verfügung.

  14. Weiterführende Informationen

    Kurzinformation Nationale Strategie gegen Krebs 2017-2020

    Mit der Nationalen Strategie gegen Krebs werden Lösungen für Herausforderungen in der Vorsorge, der Betreuung und der Nachsorge von Krebsbetroffenen und für die Forschung zu Krebs in der Schweiz in einem breiten Netzwerk von Personen und Organisationen aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erarbeitet. Ziel ist letztlich der Aufbau einer Cancer Community, die den gesamten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Diskurs zu Krebs in der Schweiz umfasst. Die Koordination der Umsetzung der Nationalen Strategie gegen Krebs unterliegt der Oncosuisse. Die Oncosuisse vertritt als Gesellschaft mehrerer Organisationen die gemeinsamen Anliegen im Kampf gegen Krebs. 

    Kurzinformation: Nationale Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) 2017-2020 & Nationale Strategie Sucht 2017-2020

    Sowohl die NCD-Strategie als auch die Nationale Strategie Sucht wirken im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention sowie in der Gesundheitsversorgung. Die Nationale Strategie Sucht wirkt im Bereich der Gesundheitsförderung und der Suchtprävention und legt zudem einen Schwerpunkt auf die Versorgung abhängiger Menschen (Früherkennung und Therapie von Sucht sowie Schadensminderung). Gesundheitsförderung und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten sind Schwerpunkte der NCD-Strategie. Im Fokus der NCD-Strategie stehen Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Leiden der Atemwege und muskuloskelettale Erkrankungen. Gleichzeitig will sie die Prävention in der medizinischen Grundversorgung stärken. Die Schnittstellen zwischen der NCD-Strategie und der Nationalen Strategie Sucht finden bei der Umsetzung der Strategien besondere Beachtung (Konzeption und Umsetzung des Massnahmenplans). Dies gilt insbesondere für spezifische Fragen der Alkohol- und der Tabakprävention sowie generell für Fragen der Gesundheitsförderung und der Prävention.

    Links zu weiterführenden Informationen